Werner Körte, ein großer Chirurg seiner Zeit

Werner Körte Foto: J. Lange

Eigentlich wollte er Tischler werden, denn seine Freude an handwerklicher Tätigkeit war sehr groß. Aber erst in späteren Jahren richtete er sich im Keller seines Ferienhauses in Heringsdorf an der Ostsee eine komplette Tischlerwerkstatt ein und konnte hier seinem Hobby frönen.

Die Rede ist von Werner Körte, der am 21. Oktober 1853 als Sohn eines Geheimen Sanitätsrates in Berlin geboren wurde. Obwohl er als Kind häufig kränkelte, besuchte er das Friedrich Werdersche Gymnasium, wo er im September 1870 sein Kriegsabitur ablegte und kurz darauf als freiwilliger Krankenpfleger in einem Typhuslazarett bei Metz eingesetzt wurde.

Hier erkrankte er selbst und ließ sich nach seiner Genesung im Januar 1871 als Medizinstudent an der Berliner Universität immatrikulieren. Sein Studium setzte er in Bonn und Straßburg fort, wo er 1874 sein Examen ablegte und im Sommer 1875 promovierte.

Als Assistentsarzt erhielt er von 1877 bis 1879 seine chirurgische Ausbildung bei Robert Wilms am Bethanien-Krankenhaus. Danach unternahm er eine Studienreise, auf der er als Hospitant bei bekannten Ärzten in Halle, Magdeburg, Leipzig, Dresden, Prag und Wien wirkte.

Als nach seiner Rückkehr nach Berlin Wilms schwer erkrankte, vertrat er ihn und leitete nach Wilms Tod die Klinik kommissarisch bis April 1881. Wegen seiner Jugend wurde er nicht zum Nachfolger Wilms ernannt. Wilms selbst soll kurz vor seinem Tode gesagt haben: „Für Körte sterbe ich zu früh”.

So arbeitete er die nächsten Jahre als praktischer Arzt. So oft sich die Gelegenheit bot, übernahm er Vertretungen leitender Berliner Chirurgen. Auch veröffentlichte er eine Anzahl wissenschaftlicher Arbeiten aus dem Gebiet der Chirurgie.

Inzwischen hatte er in den medizinischen Kreisen Berlins einen sehr guten Ruf erworben und wahrscheinlich wurde er mit Hilfe von Virchows Fürsprache (er war sein Patenonkel) 1889 zum Direktor des gerade neuerbauten „Städtischen Krankenhauses Am Urban” ernannt.

Bis 1924 hat Körte in diesem Amt gewirkt und in dieser Zeit eine große Anzahl wissenschaftlicher Arbeiten veröffentlicht. Eine eiserne Energie, unbeugsamer Wille und überdurchschnittlicher Fleiß ermöglichten ihm jahrzehntelang die Bewältigung eines Arbeitspensums, das bewundernswert war.

Körte war ein unermüdliches Arbeitstier. Von 9.00 Uhr bis etwa 17.00 Uhr war er im Krankenhaus beschäftigt, danach versah er noch bis 20.00 Uhr in seiner Privatklinik Dienst. Und nach dem gemeinsamen Abendessen mit der Familie saß er bis in die tiefe Nacht an seinen wissenschaftlichen Arbeiten.

Daneben war er von 1899–1929 erster Schriftführer der „Deutschen Gesellschaft für Chirurgie” später deren Präsident und Ehrenvorsitzender und fast vier Jahrzehnte lang bestimmte er das Geschehen der „Berliner Gesellschaft für Chirurgie” mit. Seit 1899 war er auch noch Mitherausgeber des „Archivs für klinische Chirurgie”.

Körte, der inzwischen zum Geheimen Sanitätsrat und Professor ernannt worden war, lehnte 1905 einen Ruf an die Chirurgische Universitäts-Klinik in Königsberg ab. Er hat selbst darüber gesagt, „dass die eigentliche theoretische Ausbildung der angehenden Ärzte Sache der Universitäten sei, während den städtischen Krankenhäusern die Aufgabe obliege, bei der praktischen Ausbildung der fertigen Ärzte helfend und fördernd einzugreifen”. Und die praktische Fortbildung lag ihm mehr als die theoretische Rhetorik.

Seinen wissenschaftlichen Ruf begründete er bereits 1892 mit einer Monographie über „Die Chirurgie der Leber und der Gallenwege”. Im Handbruch der Praktischen Chirurgie schrieb er das Kapitel über das Peritoneum und gab eine allgemeine Lehre der abdominellen Operationen. Für Leydens „Die Deutsche Klinik am Eingange des zwanzigsten Jahrhunderts” verfasste er den Abschnitt über die Erkrankungen des Mastdarms. 1905 erschien seine Mitteilung „Beiträge zur Chirurgie der Gallenwege”, und in der großen Operationslehre von Bier, Braun und Kümmel schilderte er die operativen Eingriffe an der Leber, den Gallenwegen, der Milz und im retroperitonealen Raum.

Körte war eine überaus würdige imponierende Gestalt. Er war die Korrektheit in Person, gegen sich selbst wie gegen seine Mitarbeiter streng, ein vom kategorischen Imperativ beseelter Preuße und Berliner, der großes Ansehen bei seinen Mitbürgern, Patienten und Kollegen besaß, ein Mann von unermüdlichem Fleiß. Er starb am 3. Dezember 1937 in Berlin.

Jürgen Lange

Aus: Berliner Ärzteblatt (Rotes Blatt) 116 (2003) S. 323/324
mit freundlicher Genehmigung von CB-Verlag Carl Boldt

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